Henning Pawel - Antwort auf  Stasivorwürfe

Inhaltsübersicht:
 
Henning Pawel wurde seit 1965 von der Stasi observiert;
hier die Kopien der Stasi-Akten über Henning Pawel:
(nach Seiten benannt)
 
6-12: Henning Pawel wird operativ bearbeitet
12: Die Stasi ermittelt gegen Henning Pawel - 
Henning Pawel war politisch nicht mehr tragbar für 
die Humboldt--Universität
13: Henning Pawel wird in der Stasiaktion „ Konfrontation“ bearbeitet
15: Stasi hält es für dringend nötig, Abhörmaßnahmen gegen Henning Pawel
durchzuführen
16:  Bearbeitung Henning Pawels in der Stasioperation „Student“ 
28: Henning Pawel fördert laut Stasi politisch negative Folkloregruppe
29: Henning Pawel (IM Oertel) unterhält laut Stasi freundschaftliche Verbindungen zu feindlichen Personen und Gruppierungen
30-38: Die Stasi lässt Henning Pawel mal wieder beobachten 
(Beobachtungsberichte)
39/40: Stasi lässt Schriftstellerverbandskandidaten Henning Pawel überprüfen
42: Henning Pawel (IM Oertel) lehnt Zusammenarbeit mit dem MfS ab
45: Henning Pawel (IM Oertel) zeigt keine Bereitschaft inoffiziell tätig zu werden
46: Henning Pawel (IM Oertel) ist nicht bereit der Stasi Auskunft zu geben
47:  Henning Pawel (IM Oertel) sieht keinerlei Notwendigkeit für Treffs mit der Stasi
48: Henning Pawel (IM Oertel) lehnt auch weiterhin Aufträge ab
49: Henning Pawel (IM Oertel) lehnt Informationen über Schriftstellerkollegen ab
und kritisiert Zustände in DDR-Zuchthäusern
50: Henning Pawel kritisiert laut Stasi das Waldsterben in der DDR 

Henning  Pawel zum Stasi-Sachverhalt

  Erfurt, im Herbst 2004  

    
                                  Liebe Freunde! 

  Wie ihr vielleicht wisst, wurden gegen mich Stasivorwürfe erhoben. Bezeichnender Weise  tauchen diese Dinge immer bei Anlässen wie besonders guten Rezensionen meiner   Bücher, Jubiläen und Literaturpreisen auf. Anders würden die Absender dieser   Schmierereien nicht die geringste Öffentlichkeit finden.  

  Um es vorweg zu nehmen, trotz größter Mühe konnte in all den Jahren kein Mensch   gefunden werden, der behaupten kann, ich hätte ihn denunziert. Aber statt sich damit   abzufinden, mussten regelrechte Lügner bemüht werden, die  erlogene Briefe an Zeitungen   schrieben, diese dann aber schon beim ersten Schreiben meines Rechtsanwaltes voller   Angst zurückzogen  
(siehe 5 : „Verleumdungen werden zurückgenommen“ - Brief von Jürgen Hultenreich und  Erklärung von Friedrich Mäker).  
 (siehe 6: „Opfer wendet sich gegen Henning Pawels Verfolger“ -  
  Brief von Dr. Klaus D.)    und 
(siehe 2: „Autoren nehmen H. Pawel gegen Stasiverleumdungen in Schutz“ - 
  Erklärung von 12 Autoren, die Einsicht in meine Stasiakten und Aussagen von Zeitzeugen  nahmen.  

  Man scheute auch nicht davor zurück, verleumderische Zitate zu fälschen, die die Chefin   der Gauckbehörde, Marianne Birthler, in einer Rede vor dem Bundestag über mich gesagt   haben soll. Hat sie natürlich nicht. Wie käme sie dazu? Der Konstrukteur des Zitats, Mario   F., lebt in München und ist Betreiber einer prächtig gestalteten, sich ungeheuer seriös   gebenden, gleichwohl nicht wahreren Webseite, auf der er sich als Fürsprecher von   Stasiopfern aufspielt, obwohl ihm für diese so wichtige Aufgabe jede menschliche und   fachliche Qualifikation fehlt.  Er wurde sofort von der Berliner Gauckbehörde aufgefordert,
  das völlig unwahre Zitat aus dem Internet zu nehmen.  
  Weil keine Reaktion erfolgte, wurde er schließlich durch eine Verfügung des Amtsgerichtes   München kostenpflichtig dazu gezwungen. Kurz darauf etablierte er in seiner von einem   schier krankhaftem Geltungsbedürfnis getragenen gehässig – geschwätzigen Art das   bewusste Zitat erneut . 
  Auch jüngst wurden wieder auf der bewussten Webseite, als wäre es eine sensationelle   Neuigkeit, eine Erklärung, die ich vor mehr als 27 Jahren an die Stasi abzugeben hatte,   veröffentlicht. Die üblichen Drohungen fehlten auch dieses mal ebenso wenig wie die   obligatorischen Denunziationen und Lügen.  
  Ich habe nie verschwiegen, dass es solche Kontakte gab und dass ich auch solche   Erklärungen abzugeben hatte. Die Umstände, in denen ich mich damals befand, könnt ihr   im Anschluss aus meiner Biografie und den Stasiakten entnehmen.  

  Natürlich wird in den Schmierereien, wie stets das Entscheidende unterschlagen, nämlich   dass trotz dieser Erklärung  genau das Gegenteil erfolgt ist. Ich habe über niemanden  belastende Dinge gesagt. Ganz im Gegenteil. Das ist, wie ihr lesen werdet, aktenkundig. 

  Wäre dem nicht so, hätten diese Menschen in ihrer Sucht zu denunzieren, man muss nur   lesen was und wie niederträchtig sie schreiben, dieses längst veröffentlicht.  
  Um keinerlei Irrtümer aufkommen zu lassen, Mario F., der Betreiber   der bewussten  Webseite, obwohl er ständig den Anschein zu erwecken sucht, hat nicht das Geringste mit   der Stasiunterlagenbehörde zu tun. Ich stehe mit der Birthler-Behörde Erfurt in Kontakt und   kann jedem, dem durch solche Menschen ähnlich zugesetzt wird, wirklich raten, sich dorthin   zu wenden. Nur dort sind Auskünfte zu erhalten, die weder verfälscht noch in irgend einer   Weise manipuliert sind. Auch bei den jüngsten, widerwärtigen Verleumdungen habe ich
  mich sofort an diese Behörde gewandt und dem für meine Akten zuständigen Mitarbeiter   den Stand der Dinge mitgeteilt.  

  Im Anschluss an diesen Text könnt ihr mehr zu der Problematik und Auszüge aus meinen   Stasiakten lesen. Die kompletten Akten kann ich leider nicht ins Internet stellen. Es sind   100te von Seiten: Aber ich bin gerne bereit jedem, der ein ernsthaftes und berechtigtes   Interesse hat, Auskunft und jede Einsicht zu gewähren. Lügnern und Verleumdern   allerdings stehe ich nicht zur Verfügung.  

  Zum Sachverhalt: Ihr werdet anschließend lesen und auch sehen, dass ich von der Stasi   bereits in jungen Jahren, konkret seit 1965, also mit 20 Jahren beobachtet wurde. 

   Ich flog von der Uni. Es wurde gegen mich der operative Vorgang  „Student“ eröffnet, dann   kam laut meiner Stasiakte die „Aktion Konfrontation“ hinzu. Beide Vorgänge liefen unter   massiver Stasibeobachtung über viele Jahre. 

  Es gibt jede Menge von Stasiberichten über mich, die immer das selbe zum Inhalt haben,   meine Einstellung zur DDR, meine jüdische Herkunft, meine Haltung zu Israel. Meine   Kontakte und meine Kritik an den undemokratischen Verhältnissen sind ebenfalls immer   wieder aktenkundig gemacht worden.  
  Anlässlich eines Familienfestes 1970,  erschien die Stasi und verhaftete mich. Ich wurde   dort rund um die Uhr verhört. Und ich wurde, wie ihr weiter sehen könnt, fast bis zur Wende   beschattet, observiert und abgehört.  
  Operative Stasivorgänge z. B. „Wer ist wer“ u.a. sollten in den achtziger Jahren meine    Beziehungen zu „staatsfeindlichen Elementen“ klären.  

  Telefonüberwachungen und Beschattungen gehörten eben so zu meinem Alltag wie   permanente Versuche der Stasi, mich zum Beobachten von Freunden und Kollegen zu   veranlassen. Wie ich damit umging ist klar und deutlich aus meinen Stasiakten ersichtlich.
  Ich lehnte solche Ansinnen ab oder unterlief sie einfach. Die Stasi empört sich über viele   Seiten meiner Akten über mein unkooperatives Verhalten. 

  Meine Kontakte zur Stasi begannen 1975. In diesem Jahr floh einer meiner Freunde, ein   hochbegabter Wissenschaftler, in den Westen. Er war an streng geheimen Projekten der   DDR beteiligt, besaß bereits eine Reihe internationaler Patente und machte eine steile   Karriere.  

  Er war mit seiner gesamten Familie heil im Westen angekommen. Meiner Frau und mir aber   wurde von der Spionageabwehr der Stasi unterstellt, wir hätten von dieser angeblich durch   den CIA vorbereiteten Flucht gewusst. 

  Für meine Frau, die als Zahnärztin im Offiziersrang bei der Nationalen Volksarmee   arbeitete, war ein solcher Verdacht noch viel gefährlicher als für mich. Gegen sie wurde ein   Disziplinarverfahren eröffnet und schlimmer noch, sie musste um ihre Kinder fürchten.
  Meine Frau war in erster Ehe geschieden und ihr Exmann stritt mit ihr um das Sorgerecht.
  Ein solcher Fall wäre der ideale Anlass gewesen, ihm das alleinige Sorgerecht
  zuzusprechen.  
  Unser geflohener Freund nährte den Verdacht der Stasi noch durch zahlreiche Anrufe bei   Bekannten, auch bei solchen, deren wir nicht so sicher waren, von denen ich auch   mittlerweile aus den Akten weiß, dass zumindest zwei von ihnen auf mich angesetzt waren   und von denen er uns zu allem Übel auch des öfteren Grüße und Botschaften übermitteln   ließ. U a. wendete er sich mehrfach telefonisch über eine Dozentin, Waltraud. S., die mit   dem Privatsekretär Erich Honeckers verheiratet gewesen war, an uns. Zu diesem Zeitpunkt   wurden wir bereits abgehört und überwacht, was wir damals zwar schon vermuteten, aber
  jetzt 28 Jahre später durch die Abhör- bzw. Beschattungsprotokolle der Stasi genau wissen.
  Wenig später verließ die Frau unseres Freundes die DDR, dann seine Schwester samt   Schwager und 10jährigem Sohn. Wir waren völlig verwirrt und ratlos, wie so etwas bei   einem angeblich so brisanten Spionagefall möglich war. Ich wurde in den Monaten danach   häufig nach Berlin zur Stasi einbestellt, um Telefonate mit dem Mann im Westen zu führen.
  Aus der Provinz waren Telefonate nach drüben damals noch nicht möglich. Natürlich war   uns klar, dass die Gespräche abgehört würden.  

  Aber unser Freund war in Sicherheit. Wir jedoch waren es nun wirklich nicht und sahen in   den Telefonaten zumindest eine Möglichkeit zu beweisen, nichts von seiner Flucht gewusst   zu haben. Trotz allem habe ich ihm mehrfach auf verschiedenen Wegen Warnungen   zukommen lassen. 

 (siehe 7: „Henning Pawel hat in größter Integrität keinen Gebrauch von seinen Kenntnissen   gemacht“ - Brief von Dr. Klaus D. an die Braunschweiger Zeitung) 

 Die Kontakte zur Spionageabwehr in Berlin erstreckten sich über den Zeitraum von etwas  mehr als zwei Jahren. Was die Stasi aus diesen Gesprächen verwerten konnte und was   nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Die prahlerischen Erklärungen über die Aufklärung   kommerzieller Menschenhändler-banden, die angeblich von drüben aus operierten,
  glaubten wir ebenso wenig  wie all die anderen Legenden und Geschichten, die uns damals   wie heute noch immer aufgetischt werden. 

  Die örtliche Stasi erschien zwar immer wieder und verlangte von mir als bei ihnen  registrierter IM, Mitarbeit. Wie ich mit solchen Forderungen umging, könnt ihr klar und   eindeutig in den Berichten der sogenannten Führungsoffiziere sehen. Ich wies sie ab oder   unterlief sie, eben so gut es mir möglich war.  

 (siehe 3: „ARD-Redakteure stellen klar: Wir sind nicht bespitzelt worden“  
  Schreiben des ARD- Journalisten Christian Oesterreich) 

 (siehe 4: „Moskauer Dissidenten: Edith und Henning Pawel haben uns und unserer  Bewegung sehr geholfen“ -  Brief des ehemaligen sowjetischen Oberstmathematikers und Dissidenten Prof. Dr. George Samoilovitsch).  

 Dem gegenüber stehen aus dem Zusammenhang gerissene und von der Stasi oft in   selbstdarstellerischer Absicht geschriebene Aussagen, die nicht das geringste an dem   Sachverhalt ändern.  
  Bezeichnend ist natürlich auch, dass in diesen Sudeleien alle meine von den sogenannten   Führungsoffizieren aktenkundig gemachten Versuche, mir die  Stasi vom Hals zu schaffen,   meine aktenkundige Kritik an dem Regime und die Verweigerungen zur Zusammenarbeit   völlig unterschlagen werden. Ihr könnt die Meinung, welche die Stasi über mich hatte, in   den sogenannten Treffberichten der Führungsoffiziere,  immer wieder lesen.  

  Ich wurde von der Stasi ab 1975 nach der Flucht unseres  Freundes zuerst als VL IM  (Vorlauf IM), dann als IM Oertel geführt. Mehr zu diesem gesamten Komplex, zu den   Hintergründen, Hintermännern, deren Schwindeleien und Verdrehungen, ihren eigenen   schuldhaften Verstrickungen, nicht nur in Stasisachverhalte, stelle ich in meinen Lesungen   aus den Stasiakten und in umfangreichen Veröffentlichungen vor, die gerade vorbereitet   werden. 

  Ich habe, um meinen Lesern diese Zeit deutlich zu machen, eine Art Biografie erarbeitet, die  ihr unter dem Titel „Leben mit der Stasi und danach“, ebenfalls im Anschluss lesen könnt. 
  Dieselbe soll detailliert darüber Auskunft geben, wie solch ein Leben wirklich ausgesehen   hat mit der Stasi und  nun noch immer nicht ohne. 
    
    
    

  Henning Pawel, 
             im Herbst 2004 

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