Es
wird lustig im 2005er
Herbst und endlich geht mal wieder was ab. Vorbei die zähen
Debatten im
Bundestag. Die Langweiler und Hinterbänkler haben ausgequasselt.
Nun kommt sie
wieder, die Zeit der Verbal-Matadoren und Rede-Giganten, die wir so
schmerzlich
vermisst haben. Sie wollen, und ich glaube ihnen das, die Republik
verändern in
einer einzigen Wahlperiode.
Zitat,
das CSU-
Generalssekretär Marcus Söder zugeschrieben wird: „Gebt
Angela und mir vier
Jahre Zeit und ihr werdet Deutschland nicht wieder erkennen.“
Bei
Schröder hat es noch etwas
länger gedauert. Man hat Deutschland erst nach eineinhalb
Wahlperioden nicht
wieder erkannt. Ab September wird´s also noch schneller gehen mit
dem
Vaterland. Nur wohin? Das ist absolut egal. Wichtig ist bloß mit
wem. Mit
unseren großen Zungenkünstlern natürlich. Sie
kehren endlich heim. Oskar Lafontaine, Gregor Gysi,
Friedrich Merz,
vielleicht sogar Roland Koch und all die anderen.
All
jene, die zwischenzeitlich
von der Fahne liefen, kehren zurück. Als Spurtstärkster in
schierer
Lichtgeschwindigkeit unser Supersauerländer Friedrich Merz, er
will
Superminister werden vorneweg.
„Deutschland ist nicht zu retten? Doch aber
nur von mir, mit links,
ehrlich.“
Wenn
da nicht noch der Andere
wäre. Edmund Stoiber, der ja gar nicht heim in den Bundestag will,
sondern
schlicht zu Hause in Bayern bleiben möchte. Aber selbst wenn er
dem Heimkehrer
Friedrich den Vorrtritt gäbe, Angela Merkel hat zwar selten eine
gute Frisur,
aber Alzheimer hat sie deshalb noch lange nicht. Sie wird den Teufel
tun, den
intriganten Besserwisser aus dem Sauerland wieder ins Nest zu holen.
„Ich werde allein regieren und auch
allein
intrigieren. Basta.“
Soviel
zu den Iten des Merz.
Eine
andere Wiederkehr ist
noch historischer. Der Trotzki der SPD kehrt heim. Er ging aus Trotz
und kehrt
nun noch erröteter zurück. Nicht etwa aus Scham, die gute,
alte Tante SPD so im
Stich gelassen zu haben. Seine neuen Liebe WASG macht ihn so rot. Oskar
war
wieder mal der Klügste. Er haute ab, so lange es noch Zeit war.
Nun ist leider
keine mehr. Alles zu spät. Nur nicht für Oskar. Aber für
seinen einstigen
Kampfgefährten und zeitweilig triumphierenden Widerpart Gerhard
Schröder. Mit
ihm kann sich Oskar im Bundestag leider nicht mehr messen. Denn Gerhard
wird
nach der nächsten Wahl nicht mehr viel zu sagen haben. Das hatte
er im Übrigen
während seiner Regentschaft leider ebenfalls nicht, trotz langer,
langer Reden.
Bleibt
noch Gregor Gysi. Der
kann’s auch und zwar tüchtig. Was denn? Alles! Ein Typ, der
für Events im
Bundestag wie geschaffen scheint. Mein Gott, Gysi gegen Westerwelle
oder gegen
Marcus Söder von der CSU. Dass wir sowas noch erleben dürfen.
Und Oskar oder
Gregor gegen Joschka. Welch ein Sinnenschmaus. Der grüne Messias,
so ist zu hören,
speckt bereits schrecklich ab. Täglich ein ganzes Kilo. In neunzig
Tagen zur
Wahl will er wieder Normalgewicht haben. Joschka hungert aus Angst.
Gregor und
Oskar lassen ihn einfach nicht mehr schlafen. Die Beiden sind als
heftige
Aufreißer bekannt und könnten unserem Kugelblitz im
Auswärtigen Amt nicht nur
die Show, sondern auch die gerade wahlberechtigt gewordene Ehefrau
ausspannen.
Angebliches Zitat der Jungverheirateten: „Joschka, lange
lass’ ich mir das
nicht mehr gefallen. Da hätte ich ja gleich Helmuth Kohl nehmen
können.“
Natürlich eine Fälschung, diese hundsgemeine Häme.
Produziert vom bösen
Klassenfeind, der Joschka eben gar nichts gönnt. Noch nicht einmal
die
Jungerwachsene im Bett.
Heimkehrer
Gysi macht mir freilich etwas Sorgen. Der
rote Hobbit
wirkt sehr müde. Vielleicht waren es ja nur die drei Infarkte, den
Infarkt all
der linken Utopien gleich mitgezählt, die den kleinen Mann so sehr
gezeichnet
haben. Neulich hörte ich einen Neidhammel sagen: „Der Mann
ist goldrichtig, nur
seine Partei nicht.“ Gemach, Gysis Partei wird jetzt immer
richtiger werden.
Schließlich steht eine große Hochzeit ins Haus. Mit wem ist
bekannt. Und wer da
wieder mal Hände fuchtelnd vor der Kaderpartei PDS warnt, hat
wirklich keine
Ahnung. Nicht die PDS wird die WASG verschlingen. Der bräutliche
Oskar wird sie
alle unterbuttern und auf seine Linie bringen. Das macht er
schließlich nicht
zum ersten Mal.
Nach
einem Heimkehrer halte
ich täglich Ausschau. Er ist aber nirgends zu sehen. Abgefahren
mit dem
Dienstfahrrad soll er schon längst sein. Aber eben nicht
angekommen. Vielleicht
ist er ja mal wieder hingefallen und liegt noch irgendwo herum. Am Ende
wars
wieder der heimtückische Oskar, der ihn ja schon mal aus dem
Sattel geschubst
hat. Oder Rudolf ist, wieder mal, ganz aus Versehen natürlich, in
die
Gegenrichtung geradelt. Seine Brille war schon immer zu schwach. |