Henning Pawel:
Die fünfte Kolumne:
Lehrstuhl für Hoyzer
- von Henning Pawel -
Nun ist schon wieder ein Fussballer verhaftet worden und die Pharisäer jaulen immer lauter. Doch verdammen darf man auch diesen Märtyrer in Sachen Fussball nicht. Ein Hosianna wäre sehr viel angebrachter.
Die ganze deutsche Fußballnation muss ihnen dankbar sein, den angeblich so bestechlichen Schiedsrichtern, den korrupten Fußballern und diesen Balkanmafiosi aus Kroatien, die das alles angestiftet haben sollen. Sie haben niemals, so viel steht heilig für mich fest, aus Eigennutz gehandelt, sondern ausschließlich für das Gemeinwohl. Es ging auch nicht um’s liebe Geld, es ging um Deutschland.
Sie haben einen Weg gesucht Und sie haben ihn, Hallelujah, gefunden. Den Königsweg.
All die senilen Häuptlinge des Fussballbundes, denen außer Albernheiten und Stallintrigen bisher so gar nichts eingefallen ist, nicht Ägidius Braun, auch nicht sein Nachfolger - der schon fast mumifizierte Mayer-Vorfelder, auch der nächste Hochbetagte steht bereits ins Haus, sie trohnten in den letzten zwanzig Jahren auf ihrem Präsidentensessel und sahen mit vor Alter, Eitelkeit und Geldgier getrübten Augen zu, wie der deutsche Fußball immer weiter den Bach hinunter ging. 
War die Not am größten, so wurde zwar rasch ein neuer Name gelallt und dessen Träger auch unverzüglich zum Trainergenie gekürt, aber was dann hinten raus kam, du lieber Gott. Erinnert sei hier nur an die Freude und den Stolz des deutschen Vaterlandes, den Jahrhundertcouch Berti Vogts (Hilfe! er steht schon wieder ins Haus), an Erich Ribbeck oder an „es gibt nur ein’ Rudi Völler“ und mittlerweile an das Non-plus-Ultra monderner Fußballkunst, den Kaliforniaschwaben Jürgen Klinsmann. Doch auch er, das ist schon klar, wird es nicht richten können. Zwar ist die Qualifikation für die WM 2006 sicher, weil man dieselbe zum Glück nicht erspielen musste, aber ob es für unsere Kicker auch nur bis zum Achtelfinale reicht?  Kaum anzunehmen. Und genau hier nun setzt der Geniestreich Robert Hoyzers und seiner Mitverschworenen ein. Sie wollten einfach ein Signal setzen. Nichts weiter. „Nur auf unsere Weise“, riefen die Patrioten dem Vaterlande zu, „kann Deutschland die Fussball-Weltmeisterschaft gewinnen. Nur so.“ 
Wenn das nicht genial gedacht ist. Der DFB nimmt ein paar Hunderttausender her, greift sich in einer passenden Stunde den Typen, der z. B. das schon sicher verlorene deutsche Spiel gegen Malta pfeift, und schon gewinnen wir. Und es braucht auch gar nicht teuer zu sein. Im Gegenteil. Kommt der Schieri  z.B. aus Polen, kann er sogar Millionär werden. Zwar nur Zlotymillionär, aber immerhin. Kommt er dagegen aus USA, so wird er Dollar bekommen. Die aber wurden ja gerade im Spiel gegen Malta eingespart. Also, man muss den internationalen Schieris vor den Spielen eine gewissse materielle Zukunft in Aussicht stellen, natürlich auch an ihre Deutschfreundlichkeit oder, wenn es angebracht ist, an ihren Deutschenhass appellieren und schon läuft die Sache. Ich möchte wetten, auf diese Art kommen wir ins Endspiel. Und sollte der dann zuständige Unparteiische Sperenzchen machen und kein Geld haben wollen, so bekommt er statt der Kohle eben seine Ehefrau samt Kindern wieder, die vor dem Endspiel vorsichtshalber entführt wurden. Nicht etwa von Mayer-Vorfelder. Der würde so was nie machen. Von der deutschen Russenmafia, die ja bekanntlich alles macht. 
Und deshalb, wegen solcher genialen Idee, schuldet der DFB dem Robert Hoyzer riesigen Dank. Er darf aus diesem Grunde, so ist zu hören, schon bald wieder pfeifen. Auch wenn es erst mal nur die Knacki-Meisterschaften in Stuttgard-Stammheim sind. Es wird dabei total ehrlich zugehen, das hat Hoyzer dem DFB-Präsidenten heilig in die Hand versprochen und der hat dem Dulder dafür eine echte Wahrheit mit auf den Weg gegeben: „Betrügen, lieber Robert, darf man nur im richtigen Leben. Wer im Knast bescheißt, ist selber angeschissen.“ Und noch auf eine Idee hat Hoyzer den DFB gebracht. Das viele Geld, welches bisher für die Ze Robertos, Ailtons, Pizzaros, Kohlers und wie sie alle heißen, ausgegeben wurde, es fällt in Zukunft flach. All die ausländischen Rasenkasper sollen in Zukunft bleiben, wo der Pfeffer wächst, wir brauchen sie nicht mehr. Auch keine Hunderte von Millionen für die Vereine. Ein einziger Batzen vor jedem Spiel genügt und alle Fussballprobleme sind gelöst. 
Und noch einen gutgemeinten Rat an den DFB: Robby sollte nach seiner Entlassung aus dem Kerker einen Lehrstuhl bekommen und zwar an der deutschen Akademie für Leibesübungen und Sport.
www.henning-pawel.de



Henning Pawels Kolumnen erscheinen auch im
www.LeineBlick.de