|
„Der Untergang“, ein zugegeben aufwändiger
und massiv beworbener Film, war noch gar nicht richtig angelaufen, da wurde
schon der Ruf nach dem Oskar erhoben. Nicht etwa nach Oskar Lafontaine,
dessen Untergang im Übrigen weit schlechter inszeniert war. Nein,
kein Geringerer als der Oskar Hollywoodscher Herkunft soll dem „Untergang“
nun den Adel der Unvergänglichkeit verleihen. Ob dieser Film solche
Ehre verdient, kann bezweifelt werden. Die Gesamtkomposition ist eher einfallslos.
Des Führers kleinkarierte Kaffeekränzchen und seine als Lagebesprechungen
deklarierten, vom Regisseur recht phantasielos inszenierten Einmannshows
sowie die so harm- und hilflos dargestellte Entourage, nicht die einzige
ganz offensichtlich falsche Bewertung der letzten Tages Hitlers, das wechselt
mit kurzen Schnitten auf Schlachtenszenen, ein paar sterbende Soldaten
bzw. solche, denen die Gliedmaßen amputiert werden, heroische SS-Leute
und missbrauchte Hitlerjungs. Der Prototyp der Letzteren, vom Führer
für seine Tapferkeit noch mit dem EK 1 ausgezeichnet, begreift allerdings
am schlechten Schluss noch, für was und wen er seine Haut zu Markte
getragen hat, auch das ist eindeutig eine Geschichtsklitterung. Gerade
diese armen. missbrauchten Jungen kämpften bis zum schrecklichen Ende
und wechselten eben nicht wie im Film so oberflächlich wie verklärt
dargestellt, die Sekretärin Hitlers an der Hand, zu den Guten über.
Die bestehen unter anderem aus dem Rüstungsminister Hitlers Albert
Speer, der in letzter Minute das deutsche Volk und seine Wirtschaft noch
retten will, nachdem er in langen Jahren alles getan hat um im Auftrag
seines Führers zu vernichten und nochmals zu vernichten. Auch die
Generale Keitel, Jodel, Krebs und so weiter kommen recht gut
weg. Sie stellen im Film lediglich Militärs in einer ausweglosen Lage
dar, wie es sie schon immer gegeben hat. Nicht aber das was sie wirklich
waren, willfährige Kreaturen eines Massenmörders von ungeheuerlichen
Dimensionen, dem sie in einem beispiellosem Kadavergehorsam auch noch in
den letzten Tagen Divisionen und Armeen sowie ganze Hekatomben von Zivilisten
opfern. Auch ein hoher SS-Arzt, wohl stellvertretend für all die so
segensreich wirkenden SS-Ärzte angelegt, im Film der Prototyp eines
Humanisten, versucht zu retten, wo nichts mehr zu retten ist und legt sich
sogar lebensgefährdend mit Nazistandgerichten an, die nächtens
im Räuberzivil umherschleichen und armselige schlotternde Gestalten
in die Bäume hängen.
Der Film basiert zu Teilen auf
Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudel Junge. Diese, eine beeindruckende,
noch im Alter schöne Frau hat sich ihr ganzes, späteres Leben
auf ehrliche und schonungslose Art und Weise mit ihrer Vergangenheit und
Hitler auseinandergesetzt. Von dieser klaren, intelligenten Sicht ist im
Film wenig zu erleben. A. M. Lara, die Darstellerin der Traudel Junge,
verkörpert ein zwar recht hübsches aber völlig überfordertes
Geschöpf, das mit großen, ahnungslosen Augen in der Welt umhersieht.
Lara ist niedlich und spielt auch nicht übel, halt so wie man in
Soaps zu spielen hat. Sie verkörpert nur leider nicht überzeugend
die Traudel Junge, eine Frau, die zwar nicht das Ausmaß der Verbrechen
wusste, aber sehr wohl zunehmend erkannte, welcher Abgrund an menschlicher
Verkommenheit und Niedertracht ihr da mit Hitler begegnet war.
Über den gefährlichsten
Mann hinter Hitler, Martin Bormann, den schrecklichen Drahtzieher der letzten
Tage, wird kein Wort verloren. Ebenso kein Wort über den Holocaust
und seine Initiatoren. Auch Goebbels, der Einpeitscher und Chefideologe,
verkommt zur hohläugigen, bedeutungslosen Karikatur. Daran ändert
auch der Mord seiner Frau an den Kindern gar nichts. Blasse einfallslos
angelegte Figuren, die den „Untergang“ zum bloßen Historienschinken
verkommen lassen hätten, wäre
da nicht Bruno Ganz. Er spielt den späten Hitler wie er in seinen
letzten Tagen wohl wirklich war. Ein ewig kreischender, oft auch weinerlicher,
aber nach wie vor grauenvoller Mensch, der immer weiter lügend, mordend
und dabei kuchenfressend die Welt oder das was er noch von ihr übrig
gelassen hat, heimsucht. Bis die Bestie endlich, endlich hinüber ist.
Der Untergang ist kein bedeutender
Film, weil er lediglich den Untergang eines Menschen aufzeigt, der Schreckliches
getan hat. Die Schrecken aber, die Hitler erst ermöglichten, die er
zum Teil sogar noch heute verbreitet, die Hintergründe, und ihre Wirkungen
auf die ganze Welt werden kaum erwähnt.
Einen Oskar für „Der Untergang“?
Für Bruno Ganz bestimmt. Daneben
aber ist nicht all zu viel. |