Henning Pawel:
 Kolumne im September
Alles wird gut
- von Henning Pawel -

 
 
Auch unter der 5% Marke angelangt, was Gott behüte nie geschehen möge, werden unsere Volksparteien noch steif und fest behaupten, es ginge aufwärts. Frau Merkel, falls sie dann noch jemand kennt, wird es noch eben so mopsgesichtig - trotzig behaupten, wie gerade eben mal wieder. Und Brands Enkel Müntefering, der nur aus Frisur und gespitztem Mündchen zu bestehen scheint, wird noch aus dem Grabe heraus den unaufhaltsamen Aufstieg verkünden. Bei Nachfrage freilich nur den eigenen in die ewige Seligkeit. 
Es ist die Krux dieser Gesellschaft. Man darf bei Strafe des Untergangs auf keinen Fall zugeben, dass etwas daneben gegangen ist, dass man mal verloren oder auch versagt hat, dass es einem schlechter und nicht immer besser geht. Am allerwenigsten können solches unsere Parteien, obwohl sie doch ständig in all ihren Äußerungen und Taten immer eine Art Leitkultur für sich beanspruchen, die auch das Recht auf Wahrheit beinhaltet. 
Es fängt ganz unten an bei unseren Kids. „Niemand ist mehr dumm, alle sind sie hoch intelligent. Und es bleibt keiner mehr sitzen.“ Natürlich auch Konrad nicht , der sich jetzt zum dritten mal entschlossen hat die Klasse zu wiederholen. Nicht etwa weil er noch immer keine Ahnung hat und diese auch nie bekommen wird. Nein, weil er die junge Lehrerin so sehr mag. Altersmäßig ist ohnehin kaum noch Unterschied. Auch „unser Mike“, (dieser widerliche Mistkerl), ist niemals ein Krimineller. Selbst wenn er sieben Mitschülern die Zähne ausgeschlagen hat, fünf weitere mit dem Messer zum Dealen zwang und vom Rest der Klasse monatelang das Taschengeld erpresste. Mike ist, so sagt das Gutachten, aus rein psychosomatischen Gründen zu schnell gewachsen und daher nur ein paar winzige Male ausgerastet. Dazu kommt das schwierige Elternhaus, vom Vater schwer misshandelt, der ihm sogar das noch schwerer verdiente Geld wegnahm und es vertrank, von der noch minderjährigen Mutter nächtelang missbraucht. Nicht unser Mike trägt also die Schuld. Er hat bewiesen wie kreativ ein Mensch auch noch in seiner Lage sein kann. Die Schule war es, die mal wieder die Not, in der sich das Kind befand, einfach nicht erkannte. 
Es tritt auch kein maßgeblicher Mensch mehr wegen irgendwelcher Verfehlungen von seinem Amt zurück. Er will einfach nur mehr Zeit für die Familie, die er oft gar nicht hat. Er geht auch nicht wegen kleiner zwölf Millionen, die spurlos verschwunden sind, aus dem Amt. Er macht einfach als Freund der Jugend Platz für die Jungen, die oft genug noch älter sind.
Beliebig fortzusetzen alle diese hanebüchenen, albernen, aber immer auch gefährlicher werdenden Schwindeleien. Kaum noch jemand gibt zu, dass es ihm einfach schlechter geht oder dass er eben mal alles versaut hat. Schon gar nicht unsere Parteien. Denen geht es immer besser. Und behauptet doch mal jemand das Gegenteil, wie z. B. unsere Jammer-Ossis, dann trifft sie die gesamte nationale Verachtung mit voller Wucht und selbst diejenigen, die es immer nur gut meinten mit dem Osten, schütteln nur noch enttäuscht und angewidert über so viel Undankbarkeit den Kopf. 
„Alles wird gut“, ist zum Motto der untergehenden Spaßgesellschaft geworden. 
„Alles wird gut.“ Was für ein dämliches Statement und ein zynisches oben drein.
Denn es wird ja nicht alles gut. Es wird meistens noch nicht einmal besser. Jedenfalls nicht auf diese Art und Weise durch bloßes herbei beten, wie es die Volksparteien nun schon seit Jahren und auch nach diesen schallenden Ohrfeigen durch die Wähler wieder einmal praktizieren. Es wird wohl wirklich erst besser werden, wenn sich die demokratischen Parteien der 5% Grenze nähern. Dann aber wird es vielleicht es schon zu spät sein für unsere Politiker. Nämlich endlich damit aufzuhören, den Wählern einreden zu wollen, dass ihre erbärmlichen und durchsichtigen Schwindeleien, auch das Schönreden der Wahlergebnisse notwendig für das Land seien. Was ganz konkret nicht mehr und nicht weniger heißt : „Ihr liebes Wahlvolk seid zu dämlich die Wahrheit zu begreifen, deshalb müssen wir euch immer weiter kräftig anlügen“.
In Südafrika wurden erstaunliche Ergebnisse mit den Wahrheitskommissionen erzielt.
Vielleicht sollten wir es ja auch mal damit versuchen. Nur was, wenn diese Kommissionen dann, natürlich paritätisch von SPD, CDU, FDP und den Grünen besetzt, mal wieder feststellen, dass sich sämtliche Lügner in der anderen Partei befinden und alle Wahrheitsliebenden in der eigenen? 
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